Neue Mutter/Vater & Kind-Kur "wir2"

Kein Zweifel: Alleinerziehende Mütter und Väter haben es schwerer. Sie müssen sich beim Spagat zwischen Kinder, Küche und Karriere weit mehr spreizen, als im Rahmen einer „klassischen” Familie, da äußere oder seelische Umstände sie besonders belasten und sie zugleich Tag für Tag die emotionale und häufig auch finanzielle Alleinverantwortung tragen. Für sich und ihr Kind oder ihre Kinder. Alleinerziehende Mütter und Väter stoßen daher oft an ihre physischen und psychischen Grenzen. Aus dem Alleinsein wird schnell das Gefühl, allein gelassen zu sein. Schlaflosigkeit, psychosomatische Erkrankungen sowie ein erhöhtes Risiko für Depressionen sind mögliche Folgen. Ein wirksames, weil nachhaltig ausgerichtetes Elterntraining für Alleinerziehende und ihre Kinder, ist das von der Walter Blüchert Stiftung in der Universität Düsseldorf entwickelte Programm „wir2”: Es bietet Alleinerziehenden in ihrer belastenden Lebenslage fundierte Unterstützung für mehr Optimismus und Selbstbewusstsein.

Therapeuten-Team entwickelte maßgeschneidertes Kur-Format

Das Therapeuten-Team der Mutter/Vater & Kind-Klinik Maximilian im Allgäu hält das Konzept „wir2“ für eine der besten Strategien in der Problembewältigung bei Alleinerziehenden, da es psychodynamisch und bindungsorientiert arbeitet. In über eineinhalb Jahren hat das Klinik-Team um ihre leitende Psychologin Renate Fischer-Tietze intensiv daran mitgewirkt, dieses Format in ein passendes Kur-Angebot einzubetten – maßgeschneidert für Alleinerziehende mit einem oder mehreren Kindern. Renate Fischer-Tietze ist überzeugt: „Während der drei Wochen Klinikaufenthalt im Rahmen dieser Mutter/Vater & Kind-Kur können Alleinerziehende tiefgehende Belastungen auffangen und den Müttern bzw. Vätern wird so Zeit geben, wieder in einen guten entspannten Kontakt zum Kind zu kommen – für ein gutes Stück mehr Lebensfreude.“

Kürzlich wurde diese neue Schwerpunktkur für Alleinerziehende zum ersten Mal in der Klinik Maximilian durchgeführt. Mit dabei waren auch die alleinerziehende, dreifache Mutter Bianca D. (42) aus Hauzenberg in Bayern und – als einziger männlicher Teilnehmer – der alleinerziehende Vater eines 4-jährigen Sohnes, Tobias S. (30) aus Demitz-Thumitz in Sachsen. Ihr Fazit nach drei Wochen in der Mutter/Vater & Kind- Maximilian: „wir 2“ hat ihren Familienalltag nachhaltig zum Positiven verändert – ja wahrscheinlich sogar ihr Leben.

Wenn Alleinerziehende nicht mehr wissen, wie es weiter geht

Bianca D. und ihr Mann haben sich im Jahr 2012 getrennt. Seitdem kümmert sich die Krankenschwester allein um ihre drei Söhne Tobias (17), Jannick (15) und Nachzügler Lukas (6). Die Probleme, mit denen sie dabei konfrontiert wurde, sind geradezu typisch: „Die Doppelbelastung Beruf, Familie und die Arbeiten, um die man sich nun alleine kümmern muss, die vorher auf zwei Schultern verteilt waren. Kaum Zeit für mich zu haben. Das Gefühl, keinem meiner Kinder wirklich gerecht werden zu können. Nicht genügend Zeit für sie zu haben. Finanzielle Ängste. Später der Streit um den Unterhalt, der vor Gericht endete. Die Probleme aufzufangen, die meine Kinder aufgrund der Trennung noch hatten.“

Während der Kur zur Ruhe zu kommen, Kraft zu schöpfen, sich vom Alltag zu lösen mit all der Verantwortung und dem Druck, psychologische Unterstützung zu erhalten, Zeit zu haben mit ihrem Kind Lukas, etwas zu lernen, das sie zuhause weiter umsetzen kann – das hat sich Bianca D. von der Maßnahme „wir2“ in der Klinik Maximilian erwartet.

Auch Tobias S. wollte während der Kur lernen, gewisse Dinge besser verstehen zu können. Und er wollte eine noch bessere und engere Bindung zu seinem Sohn Lennard aufbauen, besser auf ihn eingehen können. Job und Haushalt zu meistern, gestaltete sich für den Netzwerk & Security-Architekten anfangs schwierig, nachdem ihn seine Partnerin 2015 nach sechseinhalb Jahren verlassen hatte. Viel mehr aber noch quälten den alleinerziehenden Vater Fragen nach der Zukunft mit seinem Kind: Wie geht es weiter? Wie kommt Lennard damit klar? Werde ich ihn verlieren? Würde er eine neue Partnerin akzeptieren?

Elterntraining für mehr Selbstbewusstsein und Optimismus

Für genau diese Sorgen und Nöte Alleinerziehender bietet die Schwerpunktkur „wir2“ mit ihrem nachweislich nachhaltig hochwirksamen Konzept ein passendes Angebot, abgestimmt auf ihre individuell besondere Lebenssituation. Dabei setzt das Therapieprogramm vor allem auf von ausgebildeten Trainern geleitete Gruppenstunden oder psychologische Einzelgespräche für die Mütter und Väter, gepaart mit Entspannungsverfahren und gemeinsamen Mutter/Vater & Kind-Aktivitäten. Und auf achtsame Fürsorglichkeit im Umgang mit den Müttern, Vätern und Kindern. „Viele Alleinerziehende sind nach dem wir2-Training deutlich optimistischer und selbstbewusster als vorher. Was uns besonders freut: Ihr Erfolg spiegelt sich auch im Wohlbefinden der Kinder wider – das bestätigen Eltern und Erzieher“, sagt Klinik-Psychologin Renate Fischer-Tietze.

Und das bestätigen auch Bianca D. und Tobias S. drei Monate nach der erfolgreichen Kur in der Klinik Maximilian. Das nachhaltigste Erlebnis, da sind sich beide einig, seien die „wir2“-Gruppenstunden und das damit einhergehende Gemeinschaftserlebnis und der Austausch mit Gleichbetroffenen gewesen. „Es tat gut, in einer Gruppe aufgefangen zu werden, in der man verstanden wurde, da wir alle das gleiche Schicksal hatten. Es war manchmal sehr emotional. Wir konnten zusammen weinen, aber auch lachen, bis man Bauchschmerzen hatte“, schildert Bianca D.

Kur-Ziel also erreicht? „Definitiv!“, sagt Tobias S. „Lennard ist während der Kur richtig aufgeblüht, ist selbständiger und selbstbewusster geworden. In der Erziehung und im Umgang mit meinem Sohn hat mich die Kur ein großes Stück nach vorne gebracht. Gerade beim Thema „Emotionen“ und dass sie da sein dürfen. Ich bin einfühlsamer und auch geduldiger geworden. Und der Alltag mit Lennard ist jetzt deutlich entspannter. Ich freue mich, auf das was kommt!“

Neue Bindungs-Perspektiven für Mütter, Väter und Kinder

Auch Bianca D. hat eine große Veränderung bei ihrem Sohn Lukas festgestellt: „Lukas hatte sehr große innere Unruhe mit Tics, die mich sehr beunruhigten. Diese sind während der Kur verschwunden. Bis heute. Er wurde ruhiger und machte einen großen Entwicklungssprung. Und er hat es genossen, mich endlich mal für sich zu haben, mit ganz viel Zeit. Unsere Bindung hat sich noch mehr gefestigt.“

Die drei Wochen in der Klinik Maximilian haben im Leben der dreifachen Mutter einiges in Bewegung gesetzt: „Ich habe wieder Energie, ich sehe vieles aus einem anderen Blickwinkel, was einiges leichter macht. Ich reagiere oft gelassener. Die Kur war ein guter Ausgangspukt, um einiges in meinem Leben zu verändern“, sagt Bianca D. „Ich habe nicht mehr so viele Ängste vor der Zukunft. Es hat eine Entwicklung in mir begonnen, die mich auf einen guten Weg brachte.“



Alleinerziehender Vater Tobias S. mit Sohn Lennard: „Ich bin einfühlsamer und geduldiger geworden.“